FAMILIENBETRIEB MIT HERZ

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Kulturvielfalt am Lippestrand

Der Sommerschnitt kann auch Leidenschaft sein. Das zeigt sich deutlich bei Grutsch in Waltrop. Hier findet sich auf über 40 Hektar alles, was das Floristenherz begehrt, tatsächlich von A bis Z.

Am Anfang steht Achillea millefolium, am Ende Zinnia elegans. Dazwischen liegen über 100 Arten, Sorten und Farben zum Schnitt. Das reicht von den frühen Frühlingsblühern wie Bergenia, Campanula, Alchemilla, Bartnelken über Mohn, Calendula, Kornblumen und Sonnenblumen bis zum späten Herbst mit Dahlien, Phlox, Solidaster oder Silberblatt. Darunter sind vor allem Blütenpflanzen in allen Farben, Schattierungen und Nuancen. Zu finden sind auch Kräuter in vielen Duftvariationen mit Origanum und Minze, Gräser in jeder Höhe und Schnittgrün für jede Jahreszeit. Seit 1982 beackert der Familienbetrieb Grutsch die sandigen Flussauen am Rande der Lippe in Waltrop.

Diese Spezialisten sind das Ehepaar Hans und Elisabeth Grutsch sowie Sohn Martin und seine Frau Barbara.

Anbau

Vieles an Vermehrung erledigen wir möglichst selber. Die Sämereien sowie einige Jungpflanzen kaufen wir zu, auch um die neuesten Sorten zu testen. Wir beginnen mit den ersten eigenen Aussaaten im Februar. 5000 Quadratmeter im Doppelfolienhaus stehen zur Verfügung, modern ausgestattet mit Energieschirm, Gasheizung und Sprühnebelanlage.

In den Quartieren und Beeten auf dem Feld herrscht eine klare Ordnung und eine gewisse Rotation. Einjährige stehen beieinander und in anderen Quartieren sind die Stauden zusammen gepflanzt. Solche wie Hypericum, Campanula in Sorten, eine kleine Kugeldistel Echinops ritro „Veitch´s Blue“ oder die besonders haltbaren Sedum-Sorten, übrigens immer knospig grün geschnitten. Jedes Quartier wird jedes Jahr umgepflanzt. In der Kulturfolge kommt zunächst Gründünger aufs Beet, dann Einjährige, dann Stauden.

Bepflanzung

Eine Pflanzmaschine mit Folien- und Tropfschlauchleger ist ständig unterwegs für den satzweisen Anbau. Alles wird in Maisfolie gepflanzt, die anschliessend verrottet. Vorne sitzt der Düngerstreuer. Eine Kreiselegge arbeitet den Dünger direkt ein, dann legt die Pflanzmaschine zunächst die Bewässerungsschläuche. Anschliessend kommt die Maisfolie mit kleinen Nadellöchern drauf, damit Regen versickern kann. In vorgestanzten Löchern kommen die Jungpfanzen. Sie werden per Hand eingelegt, von der Maschine nach unten geführt und abgelegt.

Die Mulchfolie schützt vor Verdunstung und vor Unkraut. Sie dient der Pflanzengesundheit und vermindert Pilzbefall. Wir beugen lieber vor und spritzen nur im Notfall.

Bewässerung

Der Boden in den Lipper Auen ist ein sandiger Lehm, das Land entsprechend flach und gut zu bearbeiten. Wasser zieht nach Regen gut ab, der Boden ist schnell wieder befahrbar. Für trockene Zeiten werden alle Beete automatisch über eine fest installierte Ringleitung und Tröpfchenschläuche bewässert, welche am Klimacomputer angeschlossen sind. Jedes Beet ist einzeln zu steuern, regelmässige Bodenproben sind obligatorisch. Erste Sätze werden ab März gepflanzt wie bei frühen Amaranthus, der etwas mehr Platz benötigt oder bei frühen Sonnenblumen „Prado“.

Das Sortiment bleibt immer in Bewegung

Im Test stehen immer wieder neue Sorten und Farben.

„Man muss immer wieder ausprobieren und das Sortiment erneuern“, so unser Motto

Wir wollen unseren Kunden trotz unseres breiten und tiefen Sortiments Abwechslung bieten und mit den Trends gehen. Immer öfters bestellt werden auch Farb-Mischungen, beispielsweise bei Sommerastern. Wir verkaufen nur Blumen, welche uns in den Tests überzeugt und eine gute Qualität hervorgebracht haben.

 

Qualität geht über Quantität

Was sich mit Maschinen bewältigen lässt, wird bei uns auch so gemacht. So sind die 40 Hektar mit über hundert verschiedenen Kulturen, Sorten und Sätzen beherrschbar. Noch mehr Flächen wären schwer zu handhaben. Lieber wollen wir die Kulturen noch feiner abstimmen und unser Angebot noch attraktiver machen.

Wie Campanula medium „Champion“ die entspitzt werden. Dann treiben vier, fünf Triebe durch. Oder die ausgesäten Asclepias currassavica, die mit Wind und Wetter im Freiland klarkommen müssen. Dafür strahlen sie in einem besonders kräftigen Orange. Für uns ist es nicht entscheidend, ob wir ein oder zwei Wochen später sind. Wichtig ist nur, dass die Kulturen gesund und kräftig sind, das haltbare Qualitätsware jederzeit lieferbar ist.

Ernte und Verarbeitung

In den Erntetrupps sind immer zwei Männer, welche die schwere Arbeit verrichten: Blumen sammeln, Kisten tragen. Auf beiden Seiten der 100 Meter langen Beete stehen Lieferwagen. Die Arbeiterinnen schneiden sich von dort bis zur Hälfte des Beetes vor.

„Die Ernte funktioniert nur per Hand, denn hier muss mit gutem Auge sorgfältig geschnitten werden.“ - Hans Grutsch

Den richtigen Erntezeitpunkt muss man kennen: im exakten Reifestadium schneiden und so oft wie nötig, auch mit täglichem Durchgang und zur richtigen Tageszeit. Diese Erfahrung haben Mitarbeiter, die schon 20 Jahre bei uns aktiv sind.

Der Schnitt geht dann sofort in die Arbeitshallen. Hier steht der neue Bercomex Furora Vollautomat. Eine Mitarbeiterin legt locker im Pulk die Stiele aufs Band. Sie werden vereinzelt, grob entblättert und geschnitten. Die Kamera fotografiert die Blumen mit drei Bildern pro Sekunde, wodurch die Beschaffenheit der Blüte beurteilt wird. Schlechte werden aussortiert, die anderen in A-, B- oder C-Wahl sortiert und in der richtigen Anzahl gesammelt, auf richtige Länge abgeschnitten und gebündelt.

Der 'Grutsch-Bund'

Das Kühlhaus dient dem kurzzeitigen Aufenthalt der Schnittblumen von der Sortiermaschine bis zur Auslieferung, und zwar in Eimern mit Wasser. Frischhaltemittel benutzen wir so gut wie gar nicht, es sei denn der Kunde wünscht dies. Wichtig ist regelmässiges und penibles Auswaschen der Eimer.

„Frisch und vor allem passend geschnitten, nicht zu weit und nicht zu knospig, sofort verarbeitet, in Wasser gesetzt und ausgeliefert: das ist das beste Frischhaltemittel“, so unser Credo.

Ein Packen besteht aus 5 Bündchen, 5 bis 6 Stiele sind in einem Bund, bei Phlox auch mal 7 Stiele pro Bündchen und bei kleineren oder Panicum auch 10 pro Bündchen. Um den Packen kommt ein Umband mit Namen Grutsch beschriftet, jeweils drei bis fünf pro Eimer. Es gilt ein Einheitspreis pro Packen der für das ganze Jahr vereinbart wird. Je nach Saison und Verfügbarkeit übers ganze Jahr gesehen, sind über 100 verschiedenen Arten und Sorten, Farben und Formen zu haben. Natürlich sind auch Monobündchen von den Hauptkulturen zu bekommen. Es kann brett- und karrenweise bestellt werden.

Vermarktung

Seit über 30 Jahren verkaufen wir über den Blumengrossmarkt in Dortmund. Wir beliefern auch die Filialen von FleuraMetz sowie regionale Blumengrosshändler. Über dieses Vertriebsnetz gelangen unsere Blumen in die ganze Welt, insbesondere aber nach Europa, beispielsweise nach Holland, Österreich oder in die Schweiz. Wichtig aber bei der Vielzahl der Kulturen ist die direkte Resonanz vom Blumengrossmarkt. Die Kunden, Floristen und Einzelhändler dort urteilen direkt über Farben, Stiellängen oder Blütenformen.